IBD beim Hund

IBD = inflammatory bowel disease

zu deutsch: chronisch entzündliche Darmerkrankung

Was ist IBD?

Inflammatory bowel disease ist eine Erkrankung des Magendarmtraktes. Es handelt sich dabei um eine Übermässige Ansammlung von Entzündungszellen und Zellen der Immunabwehr in der Wand des Magendarmtraktes. Diese Infiltration führt zu einer Verdickung der Wand und damit zu einer Störung der Beweglichkeit und Nährstoffaufnahmefähigkeit des Darmes. Die normale Funktion ist somit gestört und es kommt zu den typischen Symptomen Erbrechen und Durchfall. Befindet sich die Entzündung im Magen oder oberen Teil des Darmtraktes ist das Hauptsymptom Erbrechen. Wässriger Durchfall zum Teil mit Blut- oder Schleimbeimengungen weist auf eine Entzündung des unteren Darmtraktes hin. In schweren Fällen erstreckt sich die Entzündung über den gesamten Magendarmtrakt und das Tier zeigt sowohl Erbrechen als auch Durchfall.
Wann besteht der Verdacht auf eine IBD?

Erbrechen und Durchfall kommen bei Tieren relativ häufig vor und sind in vielen Fällen nicht Folge einer IBD. Vor allem bei Katzen ist sporadisches Erbrechen normal (Haarballen etc.). Kommen diese Symptome sehr häufig vor oder sogar immer, dann handelt es sich um ein chronisches Problem und es muss eine IBD in Erwägung gezogen werden. Häufig scheinen diese Tiere nicht krank und zeigen evtl. höchstens Gewichtsverlust. Bei chronischem Erbrechen oder Durchfall sollte immer an eine IBD gedacht werden.
Wie wird IBD diagnostiziert?

Der erste Schritt bei chronischen Problemen ist der Ausschluss von metabolischen Ursachen (Erkrankungen von z.B. Leber, Nieren oder Schilddrüse). Dazu wird als erstes eine Blut- und Urinuntersuchung durchgeführt. Eventuell sind dann weitere diagnostische Schritte wie Ultraschall oder Röntgen nötig. Meistens sind diese Untersuchungen bei einer IBD normal.
Wenn diese Untersuchungen zu keiner Diagnose führen, dann ist der wichtigste Untersuchungsgang nötig, eine Biopsie. Diese wird mittels Videoendoskopie entnommen.
Bei Tieren muss eine endoskopische Untersuchung immer in Vollnarkose nach 12-48 stündigem Fasten durchgeführt werden. Das flexible Endoskop wird dazu über das Maul durch die Speiseröhre in den Magen vorgeschoben. Nach Untersuchung des Magens wird das Endoskop durch den Pylorus (Pförtner) in den Dünndarm weitergeschoben. Nach sorgfältiger Untersuchung des Darms werden an verschiedenen Orten mehrere Biopsien im Darm und beim Zurückziehen auch im Magen entnommen. Wird das Problem eher im Dickdarm vermutet, wird das Endoskop durch den After eingeführt und so der Dickdarm biopsiert. Die Biopsien werden anschliessend zur Beurteilung an einen Pathologen gesandt.
In einigen speziellen Fällen kann es jedoch auch nötig sein, dass man die Biopsien in einer Bauchoperation entnimmt (Probelaparatomie). Der Vorteil dieser Methode ist, dass der gesamte Bauchraum untersucht werden kann. Die Patienten erholen sich in der Regel sehr schnell von dieser Operation.
Was ist die Ursache von IBD?

Leider sind die Ursachen von IBD noch nicht vollständig geklärt. Meistens wird die Ursache beim einzelnen Tier nicht gefunden. Generell wird davon ausgegangen, dass „etwas“ das Immunsystem chronisch stimuliert. Dieses „etwas“ kann eine Allergie auf Futterproteine, Parasiten, entzündliche Produkte von Bakterien welche normalerweise im Magendarmtrakt vorkommen oder ein primäres Problem des Immunsystems sein. Natürlich kann auch eine Kombination dieser Ursachen zu einer IBD führen.
Gibt es andere Ursachen für chronisches Erbrechen und Durchfall?

Am wichtigsten ist es Parasiten als auslösende Ursache auszuschliessen. Dies wird am Besten mittels einer Kotprobe durchgeführt. Eine Insuffizienz der Bauchspeicheldrüse oder eine chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse kann ebenfalls zu diesen Symptomen führen. Wenn der Verdacht auf diese Probleme besteht, wird eine Blutuntersuchung zur Bestimmung von TLI und PLI durchgeführt. Der Verdacht auf eine Insuffizienz der Bauchspeicheldrüse besteht vor allem bei Deutschen Schäferhunden. Schlimmere Ursachen für chronisches Erbrechen und Durchfall sind gastrointestinale Neoplasien (Krebs) oder eine lymphatische Erkrankung welche sich Lymphangiektasie nennt. Pilzerkrankungen sind in Europa sehr selten. Alle diese Erkrankungen können nur mittels Endoskopie mit Sicherheit diagnostiziert werden.
Eine Infektion des Magens mit einem Bakterium welches Helicobacter heisst, wird häufig mit IBD in Verbindung gebracht. Es ist jedoch im Moment nicht klar ob eine Infektion Ursache oder Folge von IBD ist. Eine Infektion mit Helicobacter führt zu Ulzerationen und Entzündungen des Magens.

 

Wie wird IBD behandelt?

Das wichtigste bei der Behandlung einer IBD ist die Unterdrückung der Entzündung. In milden Fällen reicht die immunmodulierende Wirkung des Antibiotikums Metronidazol, leider ist aber häufig Cortison nötig. In ganz schweren Fällen sind stärkere Medikament sogenannte Immunsuppressiva nötig.
Eine Therapie mit Cortison wird meistens mit hohen Dosierungen begonnen. Im Verlauf der Therapie kann die Dosierung verringert und oft sogar abgesetzt werden. Bei schweren Fällen ist aber eine Dauertherapie nötig.
Ein wichtiger Teil der Therapie ist eine Umstellung des Futters. Meistens werden dazu spezielle Diäten eingesetzt. In einigen Fällen reicht eine Futterumstellung um die Erkrankung zu kontrollieren.

 

Ist es nötig eine Endoskopie durchzuführen?

Wie oben beschrieben gibt es mehrere Ursachen für ein chronisches Erbrechen oder einen chronischen Durchfall. Da diese Ursachen verschieden behandelt werden müssen, ist es wichtig die genaue Diagnose zu stellen.
Andererseits müssen Tiere mit IBD häufig mit Cortison behandelt werden. Auch deshalb ist es wichtig die Diagnose mittels Biopsien zu bestätigen, damit diese Therapie gerechtfertigt werden kann und damit bewiesen ist, dass das Tier dieses Medikament auch wirklich braucht.
Quelle: http://www.bolligertschuor.ch/fachgebiete/innere Medizin/medizinische infomationen