Wie stelle ich meinen Hund auf BARF um ?

Schritt für Schritt zum BARF

vom Fertigfutter zur Rohfütterung

Meine Empfehlung zur Futterumstellung

 

 

Futterumstellung auf BARF

Jede Art von Futterumstellung ist für den Körper eines Hundes eine Herrausforderung, weil sich der Magen-Darmtrakt an das zuvor gegebene Futter gewöhnt hat.

Im Normalfall geht die Futterumstellung von Fertigfutter auf BARF problemlos von statten. Dies hängt aber von folgenden Faktoren ab: Alter des Hundes, Gesundheitszustand und Futtergewohnheiten.

Zum Beispiel; je länger der Vierbeiner Trockenfutter bekommen hat, um so schwieriger kann sich die Futterumstellung auf BARF gestalten. Trockenfutter verweilt länger im Magen und quillt nach einiger Zeit auf, daher ist auch das Risiko einer Magendrehung bei einer Trockenfutter Fütterung wesentlich höher. Der Hundemagen muss auch weniger Magensäure produzieren um das Trockenfutter zu verdauen als es bei einer BARF Mahlzeit der Fall wäre. Bei ernährungssensiblen und kranken Hunden sollte man generell eine Futterumstellung sehr langsam und behutsam angehen.

Die Umstellung von hochwertigem Nassfutter auf BARF geht meist einfacher, weil diese Fütterungsarten sich etwas ähnlich sind.

 

Worauf sollte bei der Futterumstellung auf BARF geachtet werden ??

Als Erstes sollte man sich mit dem Thema BARF ernsthaft auseinander setzen. D.h. das A und O ist sich gut zu informieren wie die BARF Mahlzeiten zukünftig zusammen gesetzt werden sollten, damit der Hund eine gesunde und ausgewogene Ernährung erhält. Somit können Ernährungsfehler vermieden werden. Viele dieser Informationen findet ihr unter BARF-Rohfütterung auf dieser Seite. Ebenfalls kann ein gutes Buch zu dem Thema nicht schaden. (siehe BARF Bücher)

Wichtig ist eine Schritt für Schritt Umstellung, die ich Euch noch weiter erläutern werde, damit sich eurer Hund an das neue Futter gewöhnen kann. Gleichzeitig findet sich dementsprechend dann die individuelle Geschwindigkeit der Futterumstellung.

Ihr solltet Euch außerdem bewusst sein, dass es in der Umstellungsphase zu Durchfall, Erbrechen, Schleim im Kot oder auch Verstopfungen kommen kann. Auch sogenannte Entgifitungserscheinungen sind möglich (starken Geruch, Ausschlag, Schuppen o.ä.) Bei solchen Erscheinungen sollte man nicht in Panik geraten sondern erstmal einige Zeit abwarten, meistens legt es sich bald wieder von alleine. Bei Snow war es z.B. so dass sie nach einigen Wochen sehr stark aus dem Maul roch und auch einen sehr strengen Eigengeruch hatte. Dies hatte sich aber nach 4 Wochen gelegt. Wer sich unsicher ist, sollte in jedem Fall einen Tierarzt aufsuchen. Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Bitte darauf achten: Fertigfutter niemals mit BARF mischen!!!

Viele kennen sicher die Misch-Umstellung, wo empfohlen wird das neue Futter nach und nach dem alten Futter bei zumischen, um dann das alte Futter auszuschleichen. Dies ist bei der Umstellung auf BARF überhaupt nicht zu empfehlen! Aus folgendem Grund; rohes Fleisch und Fertigfutter haben total unterschiedliche Verdauungszeiten und Zusammensetzung, durch das Mischen des Futters wären Verdauungsstörungen vorprogrammiert. Dies gilt es unbedingt zu vermeiden!

 

Aus eigener Erfahrung, meine Empfehlung zur Futterumstellung auf BARF:

Schritt 1 Futtermenge ausrechnen 

Wie Ihr die täglich benötigte Futtermenge eures Hundes berechnet findet ihr unter Wieviel füttern? Ihr könnt auch den BARF-Rechner zur Hilfe nehmen.

 

Schritt 2 24 Stunden fasten

Der Hund sollte circa 24 Stunden fasten, bevor die erste BARF Mahlzeit gefüttert wird. Bei Welpen reicht es eine Mahlzeit auszulassen. Dies dient dazu, das der Verdauungstrakt vom Fertigfutter geleert ist um keine Verdauungsprobleme hervorzurufen.

 

Schritt 3erste BARF Portion

Wenn der Hund gefastet hat, kann er die erste BARF Portion bekommen. Die Mahlzeit besteht erst einmal nur aus Muskelfleisch und einer Gemüsesorte. Innereien, rohe fleischige Knochen und sämtliche Zusätze werden anfangs weggelassen. Nach meiner Erfahrung eignet sich am besten gewolftes, mageres Rindfleisch und pürierte Möhren. Wenn eine Allergie oder Unverträglichkeit vorhanden ist geht auch Hühner- oder Lammfleisch und anderes Gemüse. (Pferdefleisch bitte nur bei Ausschlussdiät verwenden)

Beispielsweise würde sich, bei einem 20 Kg Hund mit 2,5% vom Körpergewicht gerechnet, die Mahlzeit dann folgendermaßen zusammen setzen: 400g Rindfleisch und 100g Möhren. Idealerweise verteilt man die Portion auf 2 mal täglich, denn Fleisch verdaut sich wesentlich schneller als Fertigfutter.

Diese Portion wird dann erstmal 2-3 Tage so gefüttert. Viele haben jetzt Angst vor Mangelerscheinungen, weil dem Hund ja was fehlen könnte. Diese Angst ist total unbegründet, denn so schnell entsteht kein Mangel bei einem Hund. Wölfe zum Beispiel machen auch nicht jeden Tag Beute und können somit nicht täglich ihren Nährstoffbedarf abdecken. Es wird erst riskant wenn eine Mangelernährung über einen sehr langen Zeitraum stattfindet.

Bei mäkeligen Hunden ist es zu empfehlen die Mahlzeit vorher zu überbrühen oder gar etwas anzubraten, damit ein intensiverer Geruch ensteht, um es dem Hund schmackhafter zu machen. Es besteht auch die Möglichkeit das Fleisch und Gemüse zu kochen, um dann nach und nach die Kochzeit zu verringern bis man bei roh angekommen ist. Diese Art der Futterumstellung ist sehr bei ernährungssenbilen und kranken Hunden zu empfehlen.

 

Schritt 4Beobachten

In den folgenden 2-3 Tage der BARF Fütterung solltet Ihr euren Hund genau beobachten. Wichtig ist dabei die Kotbeschaffenheit, um zu schauen wie das neue Futter vertragen wird. Wenn der Kot mal etwas weicher und breiiger ist als sonst, ist es nicht weiter tragisch. Das ist bei der BARF Fütterung durchaus normal, im Gegensatz zu Trockenfutter, enthält Fleisch viel Wasser. Trockenfutter hingegen entzieht dem Körper Wasser und lässt so natürlich den Kot immer schön wohlgeformt aussehen. Wenn der Hund mehrmals flüssigen Kot absetzt (Durchfall), sollte die Mahlzeit doch erst einmal gekocht (Fleisch und Gemüse) verfüttert werden. Legt sich der Durchfall dennoch nicht, solltet Ihr einen Tierarzt aufsuchen.

 

Schritt 5nächste Futterzutat

Wenn es nach den 2-3 Tagen keine Probleme gibt, fügt Ihr die nächste Zutat dem Rindfleisch hinzu. Am besten mischt Ihr etwas Pansen oder Blättermagen unter (wenn der Hund es mag). Diese Mahlzeit füttert Ihr dann ebenfalls 2-3 Tage.
Beispielsweise würde sich, wenn wir bei einem 20 Kg Hund bleiben, die Mahlzeit dann folgendermaßen zusammen setzen: 320g Rindfleisch, 80g Pansen/Blättermagen und 100g Möhren.

Wenn der Hund keinen Pansen oder Blättermagen frisst, kann man diesen auch weglassen. Dann geht man einfach schon direkt zu Schritt 6 über. Wird der Pansen oder Blättermagen nicht vertragen, geht man nochmal zurück zu Schritt 3 und füttert dies ein paar Tage länger, bis man es mit dem Pansen/Blätermagen nochmals probiert. Geht es ruhig langsam an, denn der Hund muss sich erst an die Rohfütterung gewöhnen. Nicht jeder Hund ist gleich, bei einigen geht es probemlos, andere brauchen etwas länger.

 

Schritt 6Innereien

Gab es bei Schritt 5 auch keinerlei Probleme, fangt Ihr an dem Hund Innereien in der Mahlzeit mit unterzumischen. Zu Innereien gehören Leber, Niere, Milz und Lunge. Entweder füttert ihr einen Mix aus diesen Innereien oder ihr probiert alles einzeln durch, dies ist ganz Euch überlassen. Allerdings solltet Ihr mit kleinen Mengen anfangen und Euch herrantasten, denn zuviel Innereien auf einmal kann Durchfall verursachen und einige Hunde mögen Innereien nicht besonders gerne. Kleinere Mengen können so besser unter das gewolfte Fleisch gemogelt werden.

Wir bleiben wieder bei einem 20 Kg Hund und die Mahlzeit setzt sich dann beispielsweise so zusammen: 360g Rindfleisch, 40g Rinderleber und 100g Möhren.

 

Schritt 7 neue Fleisch und Gemüsesorte

Hat bis Schritt 6 alles gut geklappt und es wurde gut vertragen, beginnt Ihr damit neue Fleischsorten und auch anderes Gemüse/Obst auf diese Weise auszuprobieren. z.B. einige Tage Hühnerfleisch, danach Lamm, Fisch etc. Eben so könnt ihr nun bei jeder Mahlzeit etwas Öl hinzufügen.

Auf diese Art findet Ihr erstens schnell herraus was eurer Hund gerne mag und was eher nicht so, und zweitens merkt man direkt ob es vertragen wird. Fleisch- und Gemüse/Obst Sorten die nicht gemocht und auch nicht vertragen werden, könnt Ihr einfach von der Speisekarte streichen. Mit einer Ausnahme: Innereien. Diese enthalten viele wichtige Vitamine, Spurenelemente und Mineralien. Daher sollten Innereien nicht achtlos gestrichen werden. Eine Fütterung ohne Innereien ist schon möglich, allerdings muss man sich genau erkundigen was als Ersatz gegeben werden muss um sämtliche Nährstoffe abzudecken.

 

Schritt 8rohe fleischige Knochen oder Calciumersatz

Das wichtigste was jetzt noch fehlt sind die rohen fleischigen Knochen (abgekürzt RFK) die als Calciumlieferant dienen. Bitte niemals gekochte, gebratene oder in irgendeiner Form erhitze Knochen verfüttern! Dies kann sehr gefährlich werden weil die Knochen somit brüchig werden und splittern. Knochen grundsätzlich nur roh verfüttern.

Die erste Frage die sich stellt ist: soll der Hund Knochen gefüttert bekommen?

Wenn die Frage mit “Nein” beantwortet wird, muss der Calciumbedarf des Hundes durch Ergänzungsmittel wie z.B. Eierschalenpulver, Knochenmehl, Calciumcitrat o.ä. gedeckt werden.

Wenn die Frage mit “Ja” beantwortet wird, kommt es darauf an ob der Hund ein Welpe oder ein ausgewachsener Hund ist. Ein Welpe kann schon zu Beginn direkt mit RFK gefüttert werden. Bei Hunden die schon länger Fertigfutter bekommen haben, sollte erst einmal 4-6 Wochen gewartet werden, damit sich der Hundemagen vorerst an das Fleisch verdauen gewöhnen kann bevor der erste RFK gefüttert wird. In der Zeit des Wartens muss natürlich das Calcium anderweitig zugeführt werden z.B. durch Eierschalenpulver oder Knochenmehl.

Für den Anfang eignen sich am besten weiche Knochen wie Hühnerhälse oder Hühnerflügel. Rinderknochen sind nicht geeignet, weil diese einfach zu hart sind, sie würden nur das Verdauungssystem überfordern. Diese Knochen sind eher für erfahrene BARF Hunde geeignet. Bei Schlingern ist es empfehlenswert die RFK gewolft zu verfüttern, damit sie den Knochen nicht im Ganzen verschlucken können.

Wenn der Hund die RFK wieder erbricht, ist es ein Zeichen dass der Hundemagen es noch nicht verarbeiten kann. Dann wird erst einmal versucht die Knochen gewolft zu füttern, sollte das auch nicht vertragen werden, dann muss man nochmal ein paar Wochen warten und versucht es dann erneut. In den seltensten Fällen verträgt der Hund keine Knochen, dann muss das Calcium durch Knochenmehl o.ä. ergänzt werden.

Kleiner Tipp am Rande, nach meiner Erfahrung ist es am besten RFK morgens oder mittags zu füttern. Abends liegen die Knochen zu schwer im Magen, da passiert es eher schon mal das die Knochen erbrochen werden.

Nach der RFK Fütterung sollte immer der Kot des Hundes beobachtet werden, normalerweise gibt es keine Probleme, allerdings gibt es Hunde die bei der kleinsten Menge Knochen schon Knochenkot (weißer bröseliger Kot) bekommen. Bei diesen Hunden muss man die Calciumzufuhr sehr gering halten und lieber auf mehrere Tage verteilen. Oder es gibt an den selben Tagen immer Innereien, denn diese wirken abführend und machen den Kot wieder weicher.

Die zweite Frage die sich stellt ist: Wie genau ermittel ich den Calciumbedarf meines Hundes?

Diese Frage wird Euch auf dieser Seite – Rohe Fleischige Knochen & Knorpel – genau beantwortet. Wer meinen BARF Rechner benutzt, bekommt alles automatisch ausgerechnet.

 

Schritt 9Futterumstellung abgeschlossen

Wenn Ihr nun einiges durchprobiert habt und es dem Hund schmeckt, dann ist es auch der perfekte Zeitpunkt um sich einen BARF Speiseplan für eine Woche zu erstellen. Dieser dient als Orientierungshilfe für den Anfang, damit auch nichts vergessen wird.

Somit ist die Futterumstellung so gut wie abgeschlossen, wer möchte kann nun auch Eier, Milchprodukte und Zusätze dazu füttern.

Falls Ihr noch Fragen zu diesem Thema habt, schreibt einfach einen Kommentar unter diesen Artikel oder schreibt mir eine Email. Ich werde versuchen schnellstmöglich eure Fragen zu beantworten.

 

 

 

3 thoughts on “Futterumstellung – vom Fertigfutter zu BARF

  1. Hallo,
    Ich habe eine 5Monate 52cm groß und wiegt aktuell 12,7 Kg alte Goldendoodle Hündin und möchte am WE auf Barfen umstellen….. Reicht es eine Mahlzeit aus zu lassen ?????? Und kann ich beim Barfen die Mahlzeit auf zwei Einheiten verteilen????? Lieben Dank für die Tipps sagen Lukka und Doreen

    1. Hallo Doreen,
      bei einem Welpen bzw. Junghund solltest du am besten keine Mahlzeit auslassen. Fasten ist für die Kleinen nicht sehr gut. Ersetze einfach die erste Mahlzeit am nächsten Tag (z.B. Samstag morgen) mit einer Barf Mahlzeit.
      Barf Mahlzeiten sollte man generell auf mindestens 2 Mahlzeiten oder mehr am Tag verteilen. Am besten so wie du es am einfachsten umsetzen kannst bzw. der Hund gewöhnt ist.
      Liebe Grüße
      Sanny

  2. Guten Morgen Sanny☺️Lieben Dank für Deine schnelle Antwort …… Wenn ich noch fragen habe melde ich mich einfach wieder ……. Lieben Gruß Lukka und Doreen☺️

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